Zeitfresserchen

03Aug10

ZeitfresserJeden Tag schleichen sie sich in mein Leben, ungebeten und hartnäckig: die Zeitfresser. Ich verfalle ihren süchtig machenden Argumenten, gebe mich ihren verführerischen Verlockungen hin und gestatte ihnen, sich unnötig viel Raum zu nehmen. Meine Top Five der Zeitfresserchen:

1. Twitter

Die bunte Welt der Kurznachrichten ist ja so verlockend! Morgens beim Kaffee gebe ich mich dem Social Media Phänomen hin, lese Guten-Morgen-Grüße an die Twitterwelt, die keiner braucht, und lasse Dutzende 140-Zeichen-Mitteilungen durch mein noch müdes Gehirn fließen. Manchmal weckt mich doch tatsächlich eine Nachricht und die Botschaft erreicht mich. Bis dahin sind 3 Tassen Kaffee in meinem Magen, mein Tag um eine Nachricht reicher und um eine Stunde kürzer.

2. Foren

Noch immer habe ich nicht genug vom Social Media und durchforste diverse Foren, bei denen ich Mitglied bin, nach sinnvollen Neuigkeiten, um von 86 neuen Posts gerade einmal 4 als würdig für meine Zeit zu befinden. Der Schnitt ist erbärmlich.

3. Nachbarn

Während ich die Post aus dem Briefkasten hole, komme ich nicht umhin, mir die Geschichte der entlaufenen Katze der Nachbarin und ihre Rettungsaktion (die der Katze, nicht der Nachbarin) anzuhören. Der Vergleich zu Twitter und den vielen sinnlosen News aus der Social Media Welt drängt sich mir auf. 20 Minuten Nachbar-Geschwätz, was mir allerdings den nächsten Liter Milch garantiert, den ich wieder einmal vergessen haben werde, einzukaufen. Mindestens einen!

4. Telekommunikationsunternehmen

Ich brauche einen Internet-Anschluss und ich brauche mein Handy. Funktioniert eines der beiden nicht, lasse ich die Zeitfresser in mein Haus, damit ich das Update meines Routers nach 2-stündigen Fehlversuchen, einer Menge Lesearbeit der Fachbeiträge zu Fehlerquellen, zig-Neustarts und Reboots bewältigt kriege.

Ganz zu schweigen von den wöchentlichen Anrufen oder SMS zu Kundenbefragungen („Wir wollen nur die Zufriedenheit unserer Kunden verbessern.“), neuen Angeboten („Wir wollen unsere Kunden nur optimal informieren.“), Gewinnspielen („Lassen Sie sich diese Chance nicht entgehen!“) und Statistikforschungen („Diese Erhebung dient der Weiterentwicklung unseres Unternehmens.“). Mein Router funktioniert wieder, der Anschluss an die Welt ist gegeben, ich opfere dafür Schlaf (4.30 Uhr: Eingang einer SMS zum neuen Gewinnspiel), Nerven (3-malige Wiederholung: „Ich bin an keiner Kundenumfrage interessiert!“) und Zeit.

5. Mails

Mails zu beantworten ist Teil meines Jobs, denn schließlich lebe ich vom Texten. Mails zu löschen ist in meinem Tagesbudget Zeit allerdings nicht vorgesehen. Der Newsletter von Paypal offeriert mir günstige Angebote, die ich nicht brauche, und Amazon läutet seinen Sommerschlussverkauf ein, Tchibo macht mir die Privat Card schmackhaft, die ich längst habe, und beim CityDeal gibt es heute Sushi zum halben Preis, was für eine Vegetarierin wie mich nun wirklich völlig unnötig ist. 48 unbrauchbare Mails (ja, ich habe einen Spamfilter). Ebay hat ein neues Angebot aufgrund meines Suchagenten ausgespuckt. Gut! Wie viele unnütze Informationen muss ich täglich durchforsten, um die tatsächlich sinnvollen News zu erhalten?

Kommunikation und Vernetzung in einem Zeitalter, in dem Babydow seinen ersten Geburtstag feiert und im Kinderzimmer ein Internetanschluss vorhanden sein m u s s, sind überlebenswichtig. Der Preis, den wir dafür bezahlen, dass wir gute Informationen erhalten, Unterstützung von außen bekommen oder überhaupt an die Netz-Welt angebunden sind, sind die Zeitfresserchen.



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